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Stellenauschreibungen

Informationsschrift der saarländischen Notarkammer

I. Einleitung

Sinn dieser Informationsschrift ist es, den Schulabgängern einen Leitfaden an die Hand zu geben, mit Hilfe dessen sie sich näher mit dem Beruf des/der Notarfachangestellten vertraut machen können. Die Informationsschrift soll Schüler und Schülerinnen mit folgenden Abschlüssen ansprechen:

HAUPTSCHULABSCHLUSS (EINGESCHRÄNKT), BERUFSSCHULE, HANDELSSCHULE, HÖHERE HANDELSSCHULE, MITTLERE REIFE, FACHABITUR ODER ALLGEMEINE HOCHSCHULREIFE.


Grundvoraussetzung für die Entscheidung des Schulabgängers, ob er den Beruf des/der Notarfachangestellten ergreifen will, muss die Kenntnis über Aufgaben und Tätigkeit des Notars sein. Es hat sich in der Vergangenheit - insbesondere bei Bewerbungsgesprächen - gezeigt, dass Bewerber/Bewerberinnen unklare oder sogar völlig falsche Vorstellungen von der Tätigkeit eines Notars haben. Dies erschwert die richtige Berufswahl ganz erheblich.

Bevor deshalb Ausbildung und Berufstätigkeit eines Notarfachangestellten erläutert werden, soll zunächst die Arbeit des Notars - wenn auch in aller Kürze - dargestellt werden.


II. Funktion und Stellung des Notars

Funktion und Stellung des Notars sind in der Bundesnotarordnung festgelegt. Die Notare sind unabhängige Träger eines öffentlichen Amtes auf dem Gebiet der vorsorgenden Rechtspflege. Sie haben die wichtige Aufgabe, durch ihre Tätigkeit Rechtsstreitigkeiten zwischen den Beteiligten "vorsorgend" zu vermeiden. Deshalb kann und soll sich jeder vertrauensvoll an den Notar wenden, der eine persönliche Angelegenheit vorwiegend im Bereich des Familien-, Erb-, Grundstücks- oder Gesellschaftsrechts regeln will.

Der Notar ist infolgedessen ein hochqualifizierter Rechtsberater mit Tätigkeitsschwerpunkt auf den genannten Rechtsgebieten.

Dabei unterscheidet die Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten die Notartätigkeit von dem Beruf des Rechtsanwalts, der in erster Linie die einseitigen Interessen seiner Mandanten vertritt. Der Schutz unerfahrener und schwächerer Bürger ist daher besondere Amtspflicht des Notars. Diese Funktion kann der Notar aber nur wahrnehmen, wenn er unabhängig ist. Die Unabhängigkeit des Notars wird insbesondere dadurch gewährleistet., dass er keinen Weisungen in der Sache unterliegt. Er ist nicht Vertreter einer Partei, sondern unparteiischer Betreuer der Beteiligten. Aufgrund dieser außergewöhnlichen Stellung genießt der Notar auch hohes Ansehen in der Bevölkerung.

Die Notartätigkeit unterscheidet sich von derjenigen des Rechtsanwalts weiter dadurch, dass der Notar Träger eines öffentlichen Amtes ist. d.h. der Staat berechtigt und verpflichtet den Notar, innerhalb eines bestimmten zugewiesenen räumlichen Bereichs seine Amtstätigkeit auszuüben. Es werden stets nur so viele Notare bestellt, wie dies zur Versorgung der Bevölkerung erforderlich ist.

III. Tätigkeit des Notars

Viele gesetzliche Vorschriften bestimmen ausdrücklich, dass besonders wichtige (Vertrags-) Angelegenheiten nur wirksam sind, wenn sie vor einem Notar abgeschlossen sind. Ein Kaufvertrag über ein Hausanwesen z.B. wird von einem Privatmann in der Regel nur einmal, vielleicht auch zweimal in seinem Leben abgeschlossen. Die Vornahme eines solchen Rechtsgeschäftes stellt im Leben der Bürger einen so bedeutsamen Schritt dar, dass eine neutrale juristische Beratung und Vertragsgestaltung unerlässlich ist. Vielfach ist der Kauf eines Grundstückes oder eines Hauses mit solch großen finanziellen Anstrengungen verbunden, dass ein unausgewogener Vertrag zu einem großen Schaden bei einem der Vertragsbeteiligten führen kann. Die angemessene Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten ist deshalb hier unerlässlich. Darüber hinaus hat die notarielle Beurkundung eines Vertrages die Aufgabe, genau das festzuhalten, was zwischen den Beteiligten vereinbart worden ist. Dadurch wird vermieden, dass es später zu einem Rechtsstreit der Beteiligten über den Inhalt der getroffenen Vereinbarungen kommt.

Die Beteiligung des Notars stellt sicher, dass der Vertrag juristisch so abgefasst wird, dass der Inhalt der Vertragsurkunde exakt dem Willen der Beteiligten entspricht.

Die Aufgabe des Notars erschöpft sich aber nicht darin, den Vertrag zu beurkunden. Genauso wichtig sind die anschließende korrekte Abwicklung und Durchführung des Vertrages. So holt der Notar für die Beteiligten sämtliche erforderlichen behördlichen Bescheinigungen ein. Er überwacht bei einem Kaufvertrag die Zahlung des Kaufpreises und sorgt dafür, dass der Käufer später im Grundbuch als neuer Eigentümer eingetragen wird.

Auch in erbrechtlichen Angelegenheiten erfüllt der Notar wichtige Aufgaben. Bei Testamenten z.B. ist die Mitwirkung des Notars aufgrund der schwierigen erbrechtlichen Bestimmungen nahezu unerlässlich, da in der Bevölkerung oftmals falsche Vorstellungen über die rechtlichen Konsequenzen beim Ableben eines Menschen herrschen. Durch eine (form-)wirksame Erbregelung soll sichergestellt werden, dass das oft nicht unerhebliche Erbe auch wirklich an die Person fällt, die der Verstorbene bedenken wollte. Gerade bei einer so schwierigen Rechtsmaterie wie der des Erbrechts führt der unterlassene Gang zum Notar oft zu ungeahnten, nicht beabsichtigten Folgen. Schließlich ist auch für bestimmte Ehe- und Gesellschaftsverträge stets die Mitwirkung des Notars vorgeschrieben.

IV. Aufgabe und Stellung des/der Notarfachangestellten
Der Notar ist bei der Vorbereitung und Abwicklung der Beurkundungen natürlich auf die Mitarbeit weiterer Personen angewiesen, nämlich die seiner Mitarbeiter/innen, der Notarfachangestellten.

Je nach Ausbildungsstand erledigen die Mitarbeiter den häufig umfangreichen Schriftverkehr mit Behörden, Gerichten und Vertragsbeteiligten, führen Vorbesprechungen und erläutern rechtliche Zusammenhänge, bereiten Beurkundungen und Beglaubigungen vor und führen die Akten und Bücher des Notars (z.B. die Urkundenrolle). Diese Tätigkeiten werden in den weitaus meisten Notariaten mit modernsten technischen Arbeits- und Kommunikationsmitteln ausgeführt. So gehört etwa der Umgang mit Textverarbeitungssoftware, speziellen Notarprogrammen, E-Mail und dem Online-Zugang zum elektronischen Grundbuch zum Arbeitsalltag vieler Notarfachangestellter. Zu der Tätigkeit des/der Notarfachangestellten gehört ganz wesentlich der persönliche und telefonische Kontakt zu den Klienten des Notars, zu Banken, Behörden und Gerichten. Der/die Notarfachangestellte ist in der Regel der erste Ansprechpartner für den rechtsuchenden Bürger, und das moderne Notariat ist auch ein Dienstleistungsbetrieb.

Das alles hat dazu geführt, dass Notarfachangestellte keineswegs reine Schreibkräfte sind. Sie sind vielmehr qualifizierte Sachbearbeiter mit einem verantwortungsvollen Aufgabenbereich.

Die Tatsache, dass das Notariat sowohl durch Strukturen des öffentlichen Dienstes als auch des freien Berufes gekennzeichnet ist, hat Auswirkungen auch auf die im Notariat Beschäftigten. Aufgrund der staatlich festgeschriebenen Anzahl der Notarstellen - neue Stellen werden nur bei Überschreiten bestimmter Urkundszahlen geschaffen - ist gewährleistet, dass die vorhandenen Notariate stets funktionsfähig und wirtschaftlich tragfähig sind. Ein unbegrenzter Zugang - wie z.B. beim Beruf des freien Rechtsanwalts - ist im Notariat nicht möglich. Die Sicherheit der Arbeitsplätze der im Notariat Beschäftigten ist deshalb - wie im öffentlichen Dienst - sehr hoch.

Da der Notar einen freien Beruf ausübt, unterliegt die Bezahlung der Notarfachangestellten nicht der Automatik der Besoldung im öffentlichen Dienst. Im Notariat entscheiden deshalb allein persönliche Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit über das Gehalt, so dass die Chance geboten ist, besser als im öffentlichen Dienst zu verdienen.

Aus der Funktion des Notars als neutraler Betreuer aller Beteiligten und nicht einseitiger Berater und Rechtsvertreter von Parteiinteressen ergibt sich, dass das gesamte Umfeld des Notars durch eine ruhige sachliche Atmosphäre gekennzeichnet ist, die für die Notarfachangestellten ein hervorragendes Arbeitsklima zur Folge hat.


V. Voraussetzungen für den Beruf des/der Notarfachangestellten

Der/die Notarfachangestellte sollte (großes) Interesse am Umgang mit Menschen haben und in der Lage sein, auf deren Anliegen und Probleme freundlich und verständnisvoll einzugehen. Zuverlässigkeit, Gewissenhaftigkeit und Verschwiegenheit sind mit Rücksicht auf die betroffenen Vermögenswerte und die Vertraulichkeit der Angelegenheiten äußerst wichtig. Da die Sprache (mündlich und schriftlich) im Notariat sehr stark im Vordergrund steht, sind sicherer und präziser Umgang mit der deutschen Sprache und die Bereitschaft, sich in die elektronischen Kommunikationsmittel einzuarbeiten, unerlässliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufstätigkeit des/der Notarfachangestellten. Der ständige Kontakt mit Menschen erfordert im übrigen Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und Taktgefühl.

Die Schulabschlüsse, mit denen eine Ausbildung als Notarfachangestellte erfolgen kann, sind bereits in der Einleitung genannt.


VI. Aus- und Fortbildung des/der Notarfachangestellten

Der Beruf des/der Notarfachangestellten ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Die Ausbildung dauert grundsätzlich drei Jahre, wobei die Ausbildung in einem Notariat und begleitend in der Berufsschule erfolgt. Nach einem Jahr findet eine Zwischenprüfung statt, die den erreichten Ausbildungsstand feststellen soll.
Inhalt der Ausbildung sind:

  • Amt und Stellung des Notars
  • Büropraxis und -organisation (insbesondere die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnik)
  • Aufgaben und Aufbau der Rechtspflege
  • fallbezogene Rechtsanwendung im bürgerlichen Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Arbeits- und Sozialrecht
  • Mitarbeit im Urkundswesen und Führen der Bücher
  • Mitarbeit bei der Vorbereitung und Abwicklung von Notariatsgeschäften
  • fallbezogene Rechtsanwendung im Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit
  • Erstellung von Kostenrechnungen.

 

Erfahrene Notarfachangestellte sind unentbehrliche Mitarbeiter eines jeden Notars, um die von der rechtsuchenden Bevölkerung gewünschten Beurkundungen zuverlässig, schnell und kompetent vorzubereiten und abzuwickeln. Mit zunehmender Erfahrung und Weiterbildung wachsen Verantwortung und Eigenständigkeit in der Berufsausübung.

Im Bereich der Saarländischen Notarkammer besteht die Möglichkeit einer abgestuften Fortbildung: Notarfachangestellte mit einigen Jahren Berufserfahrung können an einem gemeinsam mit anderen Notarkammern durchgeführten Fortbildungslehrgang teilnehmen, der mit der Prüfung zum/zur Notarfachassistenten/in abschließt. Aufbauend auf die dadurch erworbenen Kenntnisse schließt sich ein Fortbildungskurs zweiter Stufe an, an dessen Ende die Prüfung zum Notarfachreferenten/in steht.

Die so erworbenen Kenntnisse führen in der Regel dazu, dass dem Angestellten größere Verantwortung übertragen wird (bis hin zum Bürovorsteher), was naturgemäß auch ein höheres Einkommen mit sich bringt.

Ausgebildete Notarfachangestellte sind außerdem gesuchte Mitarbeiter(innen) in anderen Berufszweigen, insbesondere bei Sparkassen, Banken, Versicherungen, Behörden sowie bei Wirtschaftsunternehmen, die sich mit Grundstücksgeschäften und Gesellschaftsrecht befassen. Die Bandbreite der Beschäftigungsmöglichkeiten ist damit auch außerhalb des Notariats sehr groß.


VII. Nähere Informationen
Haben wir Ihr Interesse am Beruf des/der Notarfachangestellten geweckt?
Dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung, die Sie an jeden saarländischen Notar richten können. Die Adressen der Notare können Sie den Telefonbüchern, den Branchenverzeichnissen oder der Homepage der Saarländischen Notarkammer entnehmen.

Wenn Sie weiteren Informationsbedarf haben, steht Ihnen die

Saarländische Notarkammer
Rondell 3
66424 Homburg
Tel.: 0 68 41/93 12-0
für Rückfragen gerne zur Verfügung.

Sie können aber auch unserer Homepage unter
www. ...

nähere Informationen entnehmen.

Oder Sie suchen den direkten Kontakt zu einer/einem der 40 saarländischen Notarinnen und Notare.

Die Saarländische Notarkammer

Notare intern